Wer darf in deinen Raum? Über die Kunst, sich den richtigen Tribe zu finden.

Es gibt Einladungen, die man annimmt, weil man muss. Und solche, die man annimmt, weil man will. Den Unterschied zu kennen, das hat bei mir Jahre gedauert.

Noch vor zehn Jahren habe ich fast jede Anfrage angenommen. Speech hier, Podium da, Workshop dort. Früher hat sich alles um den Sport gedreht, der Sport war meine Welt, meine Identität, mein Masstab. 

Als ich nach der aktiven Karriere begann, als Speakerin aufzutreten, trug ich diesen Antrieb einfach weiter: mehr Bühnen, mehr Impact, mehr Möglichkeiten, Menschen zu stärken. Und ja, es war auch lange meine wichtigste Einkommensquelle.

Aber irgendwann hat sich etwas verschoben. Nicht von heute auf morgen. Schleichend, leise, unaufhaltsam.

 
Qualität statt Quantität, auch auf der Bühne.

In den letzten Jahren nehme ich nur noch sehr ausgewählte Anfragen an. Nicht, weil ich arrogant geworden bin. Sondern weil ich verstanden habe, wohin meine Energie wirklich fliessen soll. 

Ich sage heute nur noch Ja, wenn ich spüre: Hier kommt mein Impuls wirklich an. Hier spreche ich zu Menschen, die nicht nur zuhören, sondern handeln. Die etwas verändern können und wollen.

Genau das war beim Sommeranlass der parlamentarischen Gruppe Frauen und Sport der Fall.

 
Ein Abend im Botanischen Garten.

Der Rahmen allein war schon eine Aussage: Der Botanische Garten in Bern. Ein Ort, der mich jedes Mal gleichzeitig erdet und öffnet. Inmitten von Wachstum und stiller Kraft. Passender hätte der Abend nicht beginnen können.

Ich durfte an der Seite von zwei Frauen sprechen, die mich tief beeindruckt haben.

Maja Neuenschwander → Olympia-Marathonläuferin, heute Verantwortliche für den Athlete Hub bei Swiss Olympic und Grossrätin des Kantons Bern. Eine Frau, die Leistung und Haltung nicht als Gegensatz begreift, sondern als Einheit lebt.

Sibylle Matter Brügger → Sportärztin, ehemalige Triathletin auf olympischem Niveau und eine der wichtigen Stimmen dafür, dass Frauen in der Sportmedizin endlich den Platz bekommen, der ihnen zusteht. Forschung, Diagnose und Betreuung sollen nicht länger ausschliesslich am männlichen Körper ausgerichtet sein. Ein Anliegen, das längst überfällig ist.

Genial, wie die Co-Präsidentinnen Esther Friedli und Estelle Revaz die Gruppe durch den Abend führten.

Besonders beeindruckt hat mich dabei Estelle Revaz → Nationalrätin und Cellistin auf absolutem Weltklasse-Niveau. Wenn sie Leistungssportlerin wäre, hätte sie mit ihrer Musik mehrere olympische Medaillen. 

Wie sie es schafft, auf diesem Niveau Cello zu spielen und sich gleichzeitig politisch auf höchster Ebene zu engagieren, ohne sich dabei zu verlieren – darin haben wir viele Parallelen gefunden. 

Das ist das Ergebnis von Klarheit. Von Wissen, wer man ist und wohin die eigene Energie fliessen soll.

 
Die Frage, die den Abend trug.

Im Kern ging es an diesem Abend um eine Frage, die mich selbst immer wieder beschäftigt und die ich für eine der wichtigsten unserer Zeit halte:

Wie kann ich leisten und dennoch ganz bei mir sein?

Wie lebe ich meinen Rhythmus, meinen Zyklus, meine Weiblichkeit, meine Rolle in der Community, ohne mich dabei zu verlieren? Wie erholt sich eine Frau wirklich? Nicht um danach wieder zu funktionieren, sondern um dauerhaft in ihrer Kraft zu bleiben?

Diese Fragen haben wir nicht weggelächelt. Wir haben ihnen Raum gegeben. Und genau das hat den Abend so besonders gemacht.

Vernetzung ist kein Bonus, sie ist das Fundament.

Was ich jedes Mal mitnehme, wenn ich solche Abende erlebe: Wachstum passiert selten allein. Es passiert in Verbindung. Im Austausch mit Menschen, die dich herausfordern, die dich sehen und die selbst bereit sind, sich bewegen zu lassen.

Deshalb frage ich dich:

Mit welchem Tribe tauschst du dich aus? Wer challenged dich wirklich und wer gibt dir den Raum, ganz du selbst zu sein?

Diese Frage ist keine Kleinigkeit. Sie ist eine Richtungsentscheidung.

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